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Good Vibrations

Christian Schwenkmaier über |c|o|l|o|u|r| of the day ® 

Farben sind Schwingungen. Genauer gesagt: elektromagnetische Wellen mit Längen zwischen 380 (violett) und 780 Nanometern (rot). Die Frequenzen innerhalb dieses Spektrums nehmen wir mit Hilfe der Fotorezeptoren in unserer Netzhaut wahr – sie werden erst im Gehirn in das übersetzt, was wir Farben nennen. Das heißt: Wenn wir die Welt als bunt bezeichnen, dann handelt es sich um eine völlig subjektive Wahrnehmung. Zwar stellen Erziehung und Konvention sicher, dass wir uns einig sind: Gras ist grün, Blut ist rot, der Himmel ist blau. Doch kein Mensch kann sich sicher sein, was genau der andere sieht, wenn beide in den gleichen Himmel blicken.

Es ist also wesentlich mehr als eine Metapher, wenn wir davon sprechen, dass Farben individuelle Stimmungen ausdrücken oder auslösen können. Neurologen sind wahrscheinlich längst in der Lage, genau zu beschreiben was passiert, wenn die Wellenlänge, die einer bestimmten Farbe zugrunde liegt, eine besondere Resonanz im Gehirn auslöst.

Mitte des 20. Jh. begannen Maler wie Mark Rothko, Barnett Newman oder Rupprecht Geiger sich mit dieser elementaren Kraft von Farbe auseinanderzusetzen. Die Farbfeldmalerei befreite Farbe aus dem Korsett von Form und Inhalt. Und wer sich einmal den Bildern Rothkos ausgeliefert hat, der weiß, welche Macht Farbe ausüben kann, wenn sie nichts mehr bedeuten muss und nur sich selbst genügen darf.

Die Resonanzwirkung zwischen Farbfrequenzen und innerer „Gestimmtheit“: Für die Designerin Christina Schels begann die Beschäftigung mit Farben und deren Wirkung als Spiel.
Sie stellte fest, dass es immer wieder andere Farben waren, die einen besonderen Widerhall in ihr auslösten. So fing sie an, jeden Tag diejenigen Farben zu identifizieren, die ihre aktuelle Stimmung am besten ausdrückten. Dabei fand sie heraus: Es sind nicht nur die Farben und ihre Kombinationen, es ist auch die Art ihrer Anordnung, die eine bestimmte innere Verfassung widerspiegeln können. Zu den Schwingungen der Farben gesellte sich also eine weitere Impulsfolge: der Rhythmus, der sich durch die Sequenz verschiedener Farben auf Flächen unterschiedlicher Breite ergibt. Diese wenigen Elemente – Farben, Farbsequenzen und das Bildformat im Verhältnis drei zu eins: Das ist der formale Rahmen von colour of the day. 

Doch gerade aus diesem strengen, minimalistischen Prinzip entfaltet sich eine unendliche Vielfalt an Möglichkeiten – und an Stimmungen, die sich auf diese Weise hervorrufen lassen: harmonische Sequenzen, kontrastreiche Tableaus, Großflächiges, das abrupt durch schmale Stege unterbrochen wird, schnelle oder ganz ruhige Abfolgen, laute Akzente, dezente Schattierungen … Und das alles potenziell in sämtlichen Farbtönen des Spektrums.

Diese Vielfalt korrespondiert mit den ebenso zahllosen Arten wie Menschen Farbkombinationen wahrnehmen. Dabei wird jeder von uns recht schnell merken, dass es genau eine colour of the day gibt, die ihm sofort „ins Auge fällt“: diese eine Sequenz aus Wellenlängen, die eine besonders starke Resonanz in ihm auslöst. Doch warum genau diese? Warum morgen vielleicht eine ganz andere? Und warum werden aus messbaren Wellenlängen plötzlich Good Vibrations? Vielleicht entspinnt sich genau hier die feine Trennlinie zwischen dem Ich und dem Anderen, zwischen Subjekt und Objekt, zwischen Wahrnehmung und Welt.